Erneut Dank an den BÖLW für dieses Wissensmaterial für Interessierte:
Ökologischer Landbau und EHEC
BÖLW-Stellungnahme zum aktuellen Wissensstand
- Was hat EHEC mit Ökologischem Landbau zu tun?
- Ist es zulässig, aus dem aktuellen Fall Rückschlüsse auf das System Ökologischer
Landbau zu ziehen?
- Welche politischen Forderungen sind zu erheben?
EHEC ist kein Thema einer spezifischen Anbaumethode. Es ist erwiesen, dass vom Öko-Anbau kein besonderes Risiko für die Kontamination von Lebensmitteln mit EHEC-Erregern ausgeht.1
Studien zeigen darüber hinaus, dass bei der Tierhaltung auf Bio-Betrieben ein geringeres Risiko für das Vorkommen von EHEC besteht als in der konventionellen Landwirtschaft.2 3
Nach bisherigen Erkenntnissen und Erfahrungen sind Kontaminationen mit EHEC in der Regel auf die ungenügende Einhaltung der Hygiene zurück zu führen. Diese Probleme sind systemunabhängig; umfassende Hygienevorschriften gelten für alle Betriebe.
Der Betrieb in Bienenbüttel hat nach den derzeitigen Erkenntnissen zur Verbreitung des Erregers beigetragen. Man kann daraus aber nicht schließen, dass dies der allei- nige Verbreitungsweg ist. Die Quelle des Erregers ist nach wie vor nicht identifiziert.
Nach wie vor ist der Ausgangspunkt für den Ausbruch der EHEC-Infektion nicht bekannt. Somit kann noch nicht ausgeschlossen werden, dass es auch noch andere Verbreitungswe- ge des Erregers gab.
Es gibt auch im aktuellen Fall keine Verbindung zwischen EHEC und der biologischen Pro- duktionsweise des Betriebs. Der betroffene Betrieb hält hohe Standards der Qualitätssicherung ein.
Der BÖLW fordert, weiterhin mit allem Nachdruck nach der Ursache der Infektionen zu su- chen, um so die Gesundheitsgefährdung und die Verunsicherung der Bevölkerung schnellstmöglich zu beenden. Auch die Betriebe der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft beteiligen sich daran mit allen ihren Möglichkeiten.
Der Bio-Landbau ist eine moderne, sichere und besonders streng kontrollierte An- baumethode, die auf dem neuesten Stand der Forschung basiert.
Der Ökologische Landbau beruht auf einer Kreislaufwirtschaft. Damit werden die multifunkti- onalen Ansprüche an die Landwirtschaft optimal erreicht – wie zum Beispiel ein dauerhaft fruchtbarer Boden, Klimaschutz, Ressourcenschonung, tiergerechte Haltung, vertrauenswür- dige und schmackhafte Lebensmittel. Extensive, naturnahe Anbausysteme wie der Ökologische Landbau minimieren nachweislich die Risiken bei der Lebensmittelerzeugung. Hohe Qualitätsstandards gewährleisten eine hohe Qualität und Sicherheit der Lebensmittel. Risi- ken lassen sich in der Land- und Lebensmittelwirtschaft jedoch nie zu 100 Prozent aus- schließen.
Im Zuge der Diskussion um EHEC wurde die Düngepraxis des Ökologischen Landbaus mehrfach kritisiert und zum Teil falsch dargestellt. Richtig ist: Gülle wird im Ökologischen Gemüsebau nicht auf die Pflanzen ausgebracht, sondern – sofern sie überhaupt verwendet wird – vor der Aussaat oder Pflanzung in den Boden eingearbeitet. Der Tierdung dient dazu, die Bodenfruchtbarkeit aufzubauen, indem er Nährstoffe liefert und den Humus vermehrt. In einem so gepflegten Boden wachsen gesunde, robuste und aromatische Pflanzen. Zudem speichern humusreiche Böden viel Wasser und CO2. Zahlreiche Studien zeigen die große Bedeutung, die die organische Düngung für den Erhalt der Ertragsfähigkeit der Böden und die Qualität der Pflanzen hat. Im Übrigen wird auch im konventionellen Landbau selbstver- ständlich mit dem anfallenden Tierdung und nicht nur ausschließlich mineralisch gedüngt.
Die Ökologische Lebensmittelwirtschaft gibt die weitreichendsten Antworten auf die Fragen nach Nahrungsmittelqualität und nachhaltiger Landwirtschaft. Ökologisch erzeugte Lebensmittel werden von 74 Prozent der Verbraucher gekauft. Dies zeigt, dass ökologisch erzeugte Lebensmittel eine in der Gesellschaft breit verankerte Alternative zu konventionell erzeugten Lebensmitteln sind.
Forderungen des BÖLW
• Nach der Quelle der EHEC-Infektion muss weiter mit Hochdruck gesucht werden.
• Warnungen bei Verdachtsmomenten sollten allgemein und ohne Namensnennung, Vorverurteilung und diskreditierende Formulierungen der jeweiligen Betriebe ausge- sprochen werden.
• Bei ähnlichen Fällen soll künftig bei Verdacht sofort ein behörden- und ministerien- übergreifender Krisenstab eingerichtet werden, bei dem alle Informationen zusam- menfließen, ausgewertet werden und über den die Information der Öffentlichkeit ko- ordiniert wird.
1 Siehe hierzu die Ergebnisse aus dem europäischen Forschungsprojekt QLIF (http://www.qlif.org/objective/safety1.html) und dem transnationalen Forschungsprojekte PathOrganic (http://www.icrofs.org/coreorganic/pathorganic.html)
2 Diez-Gonzalez, F., T.R. Callaway, M. G. Kizoulis, Russell, J.B. (1998) Grain Feeding and the Dissemination of Acid-Resistant Escherichia coli from Cattle.
Science 11 September 1998: 1666-1668. [DOI:10.1126/science.281.5383.1666]
3 Callaway,T.R.,R.O.Elder,J.E.Keen,R.C.Anderson,andD.J.Nisbet(2003).ForageFeedingtoReduce Preharvest Escherichia coli Populations in Cattle, a Review. J. Dairy
Sci. 86:852–860.
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